Das Studium in Schweden unterscheidet sich nicht nur in der lockeren Umgangsweise mit Professoren vom Studium in Deutschland. Auch die Einteilung des Semesters und die Zahl der Semesterwochenstunden variieren beträchtlich vom Gewohnten.
Laut schwedischem Gesetz hat jeder Bürger, unabhängig von sozialem Stand und finanziellem Vermögen, Zugang zu Bildungsangeboten. Daher ist das Universitätsstudium kostenlos und Bildungsdarlehen zum Lebensunterhalt werden allen Studenten gleichermaßen gewährt. Das freut den deutschen Austauschstudenten, der hierzulande jedes Jahr mit Bafög-Anträgen ringt oder gegen die Einführung der Studiengebühren demonstriert. Die einzige Gebühr ist der Semesterbeitrag für die studentischen Verbindungen, die sogenannten ‚Nationen’, die von Parties über Orientierungswochen bis hin zur Wohnungssuche alles organisieren. Für die Literatur, die zu großen Teilen Selbst gekauft werden müssen, sind pro Monat zusätzlich etwa 75 € zu veranschlagen.
Meistens wird bei der Anmeldung über das Erasmusbüro der jeweiligen heimischen Universität auch gleich ein Anmeldebogen für die Studentenwohnheime ausgefüllt und somit eine günstige Wohnung gesichert. Ansonsten kann eine Wohnung auch mit Hilfe des Auslandsamtes der Uni gefunden werden.
Das akademische Jahr teilt sich in zwei Semester (die in Schweden allerdings nicht ‚semester’ genannt werden sollten, denn das heißt Ferien, sondern ‚termin’): das Herbstsemester (hösttermin) von August bis Januar und das Frühjahrssemester (vårtermin) von Januar bis Juni. Jedes Semester werden Kurse im Wert von insgesamt 20 Punkten belegt. Parallel dazu gibt es die auch in Deutschland eingeführten Credit Points. 30 ECTS sind das gleiche wie 20 Punkte. Ein Punkt bzw. 1,5 ECTS entspricht dabei einer 40-Stunden Woche. Die Kurse werden dabei im Gegensatz zu Deutschland nicht parallel, sondern nacheinander belegt, wobei jeder Kurs ungefähr fünf Wochen dauert und mit einer Prüfung abgeschlossen wird, woraufhin der nächste Kurs begonnen werden kann. Die in der Universität verbrachte Zeit liegt meistens nur zwischen 2 und 5 Semesterwochenstunden, allerdings wird erwartet, dass die Studenten sich zusätzlich zu Gruppenarbeiten treffen und zu Hause noch weiterführende Lektüre bearbeiten.
An den Universitäten werden zahlreiche Kurse angeboten, welche die Studenten zu einem individuellen Studium zusammensetzen können. Für bestimmte Berufsbilder gibt es allerdings auch schon vorgefertigte Programme, die bestimmte Kurse als Pflicht- oder Wahlveranstaltung beinhalten.
Nach dem Bologna-Prozess gliedern sich die Abschlussmöglichkeiten in drei Level. Im ersten Level, mit Erreichen von 120 ECTS (nach zwei Jahren), wird das ‚diploma’ und, ab 180 ECTS (nach drei Jahren), der Bachelor überreicht.
Darauf baut das zweite Level auf: Wird nach dem Bachelor noch ein Jahr weiter studiert (+60 ECTS) wird der einjährige Master vergeben, auf Schwedisch ‚magisterexamen’. Werden noch zwei Jahre angehängt (+120 ECTS) wird der zweijährige Master erreicht. Das dritte Level widmet sich der Forschung. Zwei Jahre Forschung (+120 ECTS) berechtigen zum Erhalt des ‚licentiatexamen’, während nach vier Jahren Forschung der Titel ‚doktorsexamen’ erreicht ist.
Das dritte Level kann in Schweden nicht an allen Einrichtungen abgelegt werden. Es gibt nämlich Universitäten (‚universitet’) und Hochschulen (‚högskola’, auf Englisch auch ‚university college’). Aber nur erstere sind berechtigt den Doktor und das Lizentiat zu vergeben.