Ausgehend von der Eiszeit herrscht heute immer noch der weitverbreitete Irrglaube, Schweden sei ein kaltes, trostloses Land, dass das ganze Jahr über von Schnee bedeckt sei.
Weit gefehlt!
Die letzten Überbleibsel, mit denen die Eiszeit das landschaftliche Bild Schwedens beglückt hat, sind die typisch welligen Hügelstrukturen und die vielen kleinen Seen, Flüsse und Wasserfälle. Immer noch hebt sich die Landmasse der skandinavischen Halbinsel durch das Abschmelzen des Eises jedes Jahr um mehrere Millimeter bis zu einem Zentimeter
Das Klima ist heutzutage jedoch zumindest in Südschweden eher feucht und mild.
Begünstigt durch die warme Luft, die der Golfstrom über den Atlantik Richtung Skandinavien befördert, sinken die Temperaturen in Südschweden teilweise das ganze Jahr nicht unter 0°C
Um der annähernd mediterranen Atmosphäre Tribut zu zollen, werden in der südlichsten Stadt Schwedens, in Trelleborg, sogar jedes Jahr Palmen aufgestellt.
Im Gegensatz dazu steht der Norden Schwedens ganz unter dem Einfluss des Winters. Jedes Jahr von Oktober bis April hat der Schnee das Land dort komplett im Griff. Unterstützt wird der Winter von der Polarnacht, welche die Sonne teils komplett vom Himmel verschwinden lässt.
Wenige der westlichen Industrienationen zeigen sich ihrer Natur so sehr verbunden wie die Schweden. Der einfache Vorsatz, das der Natur keinen Schaden zugesetzt wird, wird akribisch von der Gesellschaft befolgt und im ‚Jedermannsrecht’ (allemannsrätten) formuliert.
Dieses Gesetz gibt in Schweden jedem das Recht die Natur zu nutzen, sei es zum Campen oder zum Sammeln von Waldbeeren, solange er einige Regeln einhält: Eingezäunte und deutlich als privat gekennzeichnete Gründstücke dürfen nicht zum Zelten genutzt werden und Feuer darf nur gemacht werden, wenn keine Waldbrandgefahr besteht. Hunde müssen das Frühjahr und den Sommer hindurch angeleint werden um Wildtiere in ihrer Kinderpflege nicht zu stören. In diesem Bewusstsein wird den Schweden ein natürliches Umweltbewusstsein anerzogen, und auch Touristen schätzen diese Bewegungsfreiheit in der Natur.
In ihrer Achtung der Natur wird auch den Haus- und Nutztieren ein Geländestück überlassen. Es überrascht immer wieder, wie großzügig die Weiden für Kühe und Pferde (im Vergleich zu Deutschland) in die Landschaft eingelassen sind.
Neben ihrer angeborenen Naturverbundenheit sind die Schweden geprägt von einer zurückhaltenden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Wenn sie merken, dass jemand ratlos den Weg sucht, ist es selbstverständlich, dass der Schwede wenigstens eine Karte, vielleicht aber sogar sein Auto holt, und den Hilflosen persönlich zu seinem Ziel fährt. Spricht ein Fremder ein paar Brocken Schwedisch, ist auch das Eis zur Unterhaltung schnell gebrochen. Nach nur einem gekonnt betonten Hej! (Hallo) folgt die Beteuerung, dass man wunderbar Schwedisch spreche. Daraufhin ergießt sich ein Schwall der schwedischen Sprache über den armen Fremden, in der Annahme er verstehe sie. Die Freude, dass ein Fremder Schwedisch spricht ist einfach zu groß.
Denn, obwohl die Schweden es selten wörtlich ausdrücken, sind sie doch ein patriotisches Volk. Allerdings machen sie sich in der Regel eher über ihr Land, das schlechte Wetter oder die Politik lustig. An den Flaggtagen wird die Flagge trotzdem mit stolzem Pflichtbewusstsein gehisst.
Die generelle Ansprache mit ‚Du’ zeigt, wie wenig den Schweden an den hierarchischen Ordnungen des Alltags liegt. Kein Mensch ist mehr wert als ein anderer. Das erleichtert den täglichen Umgang mit Vorgesetzten, Ärzten oder Behörden und betont die gemütliche Seite der Schweden: Denn mit jemanden, der geduzt wird, redet es sich viel unverkrampfter, als mit einem ‚Sie’. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die Königsfamilie wird gesiezt.
Nachdem der König des Waldes in den schwedischen Wäldern im 18. Jahrhundert beinahe ausgerottet worden wäre, ist er heute mit ca. 400.000 Exemplaren ein gar nicht so seltener Anblick, weder in den Wäldern noch auf den Straßen Schwedens. Auf letzteren ist er von Autofahrern allerdings weniger gern gesehen. Da die schwedischen Straßen oftmals jedoch stundenlang durch Wälder führen, ohne dass eine menschliche Ansiedlung in der Nähe wäre, und da die Elche sich mittlerweile an die Geräusche von Autos gewöhnt haben, ist der Zusammenstoß mit einem Elch der gerade die Straße überqueren will, einer der Top Five Todesgründe in Schweden, sowohl für Elche (4000 bis 5000 verkehrstote Elche pro Jahr!), als auch für Menschen. Oftmals halten sich gerade junge, unerfahrene Elche an Straßenkreuzungen auf und machen sich anscheinend einen Spaß daraus, vorbeifahrende Touristen, wenn schon nicht zu einem Zusammenstoß, doch wenigstens zu einem Fotostop zu bringen.
Elche sorgen immer wieder für die Belustigung von Menschen.
So ist ein beliebter Sport in Schweden die Elchjagd, die jährlich im Spätsommer stattfindet und die Zahl der Elche jedes Mal um ein Viertel reduziert.
Es gab mehrere Meldungen über betrunkene Elche, die durch den Genuss zu vieler auf dem Boden vergorener Äpfel einen Schwips bekommen hatten. Einer belästigte die Kinder einer Schule um ‚seinen’ Apfelbaum vor vermeintlichen Apfeldieben zu schützen, eine ganze Herde randalierte vor einem Altenheim, so dass die Bewohner in Sicherheit gebracht werden mussten, während ein weiterer laut Zeitungsberichten „vollkommen blau“ über die Autobahn torkelte und sich einfach mitten auf die Fahrbahn legte. (Elche essen tatsächlich gerne vergorene Äpfel, sie sind im Vergleich zu ihrer sonstigen Kost aus Gräsern, Blättern und Nadeltrieben ein abwechslungsreiches Geschmackserlebnis. Im Herbst sind betrunkene Elche in Schweden daher gar nicht so selten anzutreffen.)
Eine andere wahre Meldung berichtete von einem Elch in der Ostsee, der sich dorthin verschwamm, und in Dänemark an Land ging, nur um dort von einem Aupangefahren zu werden. Auch in schwedischen Flüssen und Seen gehen Elche gerne einmal schwimmen und tauchen dann bis zu zwei Minuten um Wasserpflanzen aus dem Grund zu rupfen.